KurseVorträge

1.17 Bernt Spiegel liest aus seinem Roman „Milchbrüder, beide“

Mehr als jeder dritte Bundesbürger, so eine Studie im Jahr 2019, sieht Parallelen zwischen aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und der NS-Zeit. Das ist inzwischen keineswegs besser geworden. Wie
konnte es geschehen, dass ein verbrecherisches System die Herrschaft über ein ganzes Volk erlangte?
Bernt Spiegel, Jahrgang 1926, lebt in Edingen.
Sein Roman Milchbrüder, beide, an dem er acht Jahre schrieb und für den er seit den sechziger Jahren recherchierte, erschien im Frühjahr 2020. Als Zeitzeuge erzählt er atmosphärisch erlebte Geschichte, um uns das Unfassbare begreiflich zu machen.
Er liest aus seinem Buch, das die Entwicklung von zwei Gleichaltrigen verfolgt, die als Säuglinge eine gemeinsame Amme hatten.
Der eine ist Sohn eines einflussreichen Industriellen, der andere der Sohn von dessen Chauffeur. Der eine landet in der SS, der andere wird zu einem angesehenen Versuchspiloten.
Als Jungen waren sie ein schier unzertrennliches Paar gewesen, aber je älter sie wurden und in ganz unterschiedlichen Karrieren aufgingen, desto stärker entwickelten sie sich auseinander, bis sie fast wie Fremde einander gegenüberstanden, als sie sich nach Kriegsende wieder begegnet sind. Da war es nur noch die bloße Milchbrüderschaft, die sie aber unabänderlich weiter miteinander verband.
Der Roman erzählt von der sich langsam einschleichenden Macht einer Ideologie, die auf Misstrauen, Hass und Schuldzuweisung gründet und die zum Tod von Millionen Menschen führte. Einer Ideologie, die sich auch in der Gegenwart wieder auszubreiten droht und vergessen lassen will.
Der Roman richtet sich gegen das kollektive Vergessen.
Die Vergangenheit ist kein Fliegenschiss der Geschichte.
Der Lesung schließt sich eine offene Fragenund Gesprächsrunde hierzu an.

WER? Prof. Dr. Bernt Spiegel, ein echter Zeitzeuge
WANN? 9. Juni, ab 19.00 Uhr
WO? Großer Sitzungssaal, Schloss Neckarhausen, 1. OG